Was ist passiert? Langsam kommen die Erinnerungen wieder. Wo bin ich? Es riecht muffig. Ich kann mich nicht bewegen. Langsam öffne ich die Augen. Mein Kopf fühlt sich an, als würde er jeden Moment explodieren. Hier sieht es so aus, wie es riecht. Ich schaue mich um und stelle fest, dass ich mich in einer kleinen Zelle befinde. Nun schaue ich an mir runter. Meine Wunden wurden versorgt, aber ich bin verschnürt wie ein Weihnachtspaket.

Ich höre das Schloss der Tür. Ich sehe einen Schatten in der Tür stehen. Er kommt näher und ich erkenne sie: Zira! Sie sieht anders aus. Den schwarzen Vampirkampfanzug hat sie gegen ein graues Kleid ausgetauscht. Sie scheint aber darin auch zu kämpfen. An der Taille hängen zwei Dolche. Ich habe sie nie mit Waffen gesehen. Wundern tut es mich nach allem nicht mehr. Einen Dolch zieht sie und befreit mich von meinen Fesseln. Für einen Moment überlege ich, ob ich sie angreifen soll. Doch ohne Waffen hätte ich kaum eine Chance und wer weiß wie viele außerhalb dieser Zelle noch sind? Ich entscheide mich also zu reden.
„Verräterin! Wer hat dich gekauft? Für wen arbeitest du? Die Schwarzdrachen?“
„Mich gekauft hat niemand. Ich arbeite für die Blaudrachen.“
„Blaudrachen also. Die Wesen die unser Volk verbannt haben. Warum setzen sie Schwarzdrachen und unsere eigenen Leute gegen uns ein? Sind sie zu feige um selbst zu kämpfen?“
„Du hast das falsch verstanden. Ich arbeite nicht nur für den Orden, ich bin ein Blaudrache!“
„Wie du bist einer? Du bist ein Vampir!“
„Der Orden der Blaudrachen ist keine Rasse wie die, der Vampire.

Es gab nicht nur Menschen und Dämonen. Es gab auch andere Wesen, die wie Dämonen anders waren. Sie hatten aber nicht diese dämonische Bosheit und waren nicht Macht besessen. Sie wollten mit den Menschen in Symbiose leben. Sie passten sich an und fielen kaum auf. Doch eines Tages würden die Dämonen zu stark, sodass die Anderen nicht mehr tatenlos zusehen konnten. Einer von ihnen, Blaudrache, bildete einen Orden um das Gleichgewicht wieder herzustellen. Dieser besteht bis heute und immer wenn die dämonische Aktivität zu groß wird sind sie da um sie zu bekämpfen.

Der Rest ist Geschichte. Du musst dich entscheiden bleibst du ein Dämon oder wirst du ein Blaudrache. Das wirst du nicht sofort können. Lass dir Zeit. Du darfst dich hier frei bewegen. Doch vorerst darfst du keine Waffen tragen oder die Stadt verlassen.
Komm ich zeig dir die Stadt.“
Misstrauisch folge ich ihr.

Wir gehen aus dem Gebäude hinaus. Ich traue meinen Augen nicht. Wir stehen in mitten einer unterirdischen Stadt. Sehr viele Fragen schießen mir durch den Kopf.
„Wer lebt hier?“
„Mitglieder des Ordens, das heißt ein paar Vampire, drei Schwarzdrachen, und eine Hand voll Wesen mit besonderen Fähigkeiten, außerdem leben hier Menschen, befreit aus den Klauen deines Vaters und von unseren Verbündeten aus Amerika.“
Wir kommen an einer Gruppe von Menschen vorbei. Zira grüßt sie.
„Wesen mit besonderen Fähigkeiten? Wie muss ich mir das vorstellen?“
Zira dreht sich um.
„Blizzard kommst du mal eben?“
Ein blonder Mann aus der Gruppe dreht sich um und kommt zu uns.
„Das ist James.“
„Nenne mich ruhig Blizzard, ist mir lieber.“
Er streckt mir die Hand hin. Ich nehme sie. Es kommt mir so vor als würde ich einen Eisklotz anfassen.
„Ich bin Nagul.“
„Ich weiß. Zira hat von dir erzählt. Sie meint du könntest unserer Sache helfen. Ich bin mir da nicht so sicher. Ein Fehler und du bist Tot.“
„Gut das die Anführer auf mich hören und nicht auf dich.“
Sie lächelt.
„Zeig Nagul mal bitte, was Wesen mit besonderen Fähigkeiten bedeutet.“
„War klar ich bin mal wieder die Zirkus Attraktion“
Er streckt seine Hand wie Zira, wenn sie ihre Finsterniskugeln verschießt, nach vorne. Und... Ich kann es kaum glauben. Ein Blizzard kommt aus seinen Händen und vereist eine Straßenlaterne.

Er lächelt und geht davon. Wir gehen in die andere Richtung weiter. Ich versuche den Schwall von Informationen zu verarbeiten. Dabei kommen mir noch mehr Fragen.
„Wo liegt diese Stadt hier eigentlich?“
„Unter der Erde im Norden des Rebellengebietes.“
Das Rebellengebiet: Offiziell existiert es nicht. Es liegt in dem größten Ballungsgebiet Europas vor der Wiederkehr. Dort sollen die letzten freien Menschen Europas leben. Mein Vater hat schon viele Teams dorthin geschickt, aber nie hat eines etwas gefunden. Kein Wunder wenn sie unter der Erde leben.
„Wieso erzählst du mir das alles? Habt ihr keine Angst das ich das Wissen gegen euch einsetzen könnte.“
„Dafür müsstest du erst von hier fliehen und bei dem Versuch würdest du sterben. Verwechsele meine Freundlichkeit nicht mit Schwäche. Ich könnte dich ohne ein Wimpern zucken sofort töten.“

In einer Seitengasse sehe ich ein komisches Wesen, das auf uns zu kommt. Es hat Ähnlichkeit mit einem Mann, doch sein ganzer Körper ist mit schwarz glänzenden Schuppen bedeckt. Es hat Flügel wie ich, nur dort wo ich die Klingen anbringe hat es Krallen. Seine Ohren sehen aus als hätte man einen Teil aus seinen Flügeln raus geschnitten, geschrumpft und an seinen Kopf geklebt. Auf seiner Nase ist ein kleines Horn.

Jetzt wo es oder er näher gekommen ist, kann ich erkennen das er ebenfalls einen Schwanz hat.
Zira begrüßt ihn freudig.
„Hi Zira! Oh hallo Nagul, wieder wach? Ich hab dir ja auch einige starke Schläge verpasst.“
„Du hasst........“
Das Wesen beginnt sich zu verformen. Es wird größer und größer bis es dreimal so groß ist wie vorher. Er steht nun auf vier Beinen und hat eine Schnauze bekommen. Nun erkenne ich ihn. Es ist der Schwarzdrache gegen den ich bei der Station gekämpft habe.
Zira ergreift das Wort.
„Nagul, das ist D.-Eins. Einer von den drei Schwarzdrachen des Ordens.“
„D.-Eins?“
Er hat sich mittlerweile zurück verwandelt.
„Drache Nummer Eins! Meinen richtigen Namen kann niemand von euch aussprechen. Kannst mich aber ruhig Drake nennen. D.-Eins ist nur meine offizielle Bezeichnung hier.“
Er lächelt.
„Zira komm schnell mit wir haben einen Auftrag.“
„Okey.“
Sie wendet mich zu mir.
„Du kommst allein zurecht wir werden sehen, ob du ein Blaudrache wirst.“