„Um die Verdunkelung des Himmels aufrecht zu erhalten brauchen wir sechs Stationen an denen eine Maschine aufgestellt ist. Vor einer Stunde haben wir eine kodierte Nachricht abgefangen und entschlüsselt. Diese handelte von einem geplanten Angriff auf die in den Alpen liegende Station. Der Angriff soll noch heute erfolgen. Wir schicken euch dorthin, um die Verteidigungskräfte zu verstärken.“

Ich hasse die Stimme des Einsatzleiters. Sie ist so schrill und durchdringend. Mario macht mal wieder seine Witze. Es sind noch circa 30 Minuten bis zum Ziel und wieder überkommt mich das ungute Gefühl. Ich habe mich immer auf den Einsatz gefreut, aber jetzt meine ich er kam zu früh.

In letzter Zeit häuften sich die Niederlagen gegen die Schwarzdrachen, zuletzt hat uns das halb Sibirien gekostet. Da wurde das Schreien nach einer sowohl offensiven als auch defensiven Eliteeinheit groß. Innerhalb eines Monats wurden wir ausgesucht. Vor der Vereidigung habe ich alle bis auf Mario erst einmal gesehen. Zwei Tage später war schon der erste Einsatz.
Das geht zu schnell, aber jetzt ist es zu spät darüber nachzudenken wir sind im Einsatz.

Ich lasse den Blick über das Team schweifen. Neben mir sitzt Mario. Er ist der Einzige, den ich vorher schon kannte und das schon mein ganzes Leben. Er ist so etwas wie mein Halbbrüder. Seine Mutter war Sklavin in der Dienerschaft meines Vaters. Kurz nach Marios Geburt hat mein Vater ein Auge auf sie geworfen und verwandelte sie. Ihre Liebe zu ihrem Sohn war so stark, dass sie auch ihn verwandelte, obwohl es ihr verboten war. Einen Menschen vorsätzlich verwandeln darf nur ein hochgestellter Vampir. Vater verzieh ihr und ein Jahr später bin ich geboren als Sohn eben dieser Vampirin.
Mario ist der Spaßvogel der Truppe. Seine in alle Richtungen ab stehenden, weißen Haare und seine verhältnismäßig kleine Größe veranlassen Gegner ihn zu unterschätzen.

Neben ihm sitzt Dolchschwanz. Er ist ein Killer durch und durch. Das sieht man ihm auch an. Seinen Schwanz hat er um die Hüfte gewickelt, sodass das Dolchende vorne ist. Seine schwarzen Haare verdecken teilweise seine Augen. Wenn er den Mund aufmacht sieht man, dass er zu den schon spitzen Eckzähnen auch alle anderen spitz geschliffen hat.

Uns gegenüber sitzen Egar und Zira. Auf den ersten Blick sieht man ihnen nicht an, dass sie Geschwister sind, auf den Zweiten eigentlich auch nicht. Egar hat schwarze Haare und ist ein Muskelprotz. Seine leicht glänzenden Krallen hat er vor sich verschränkt.

Zira ist eher zierlicher und sie umgibt eine unheimliche Aura, die dadurch verstärkt wird, dass sie am wenigsten von uns spricht. Sie trägt ihre langen, weißen Haare heute nicht offen, sodass man erkennen kann, dass ihr Tattoo nicht nur auf ihrer Schläfe ist sondern klein am Haaransatz und Hals weiter verläuft. Ich suche nach einer Bedeutung das Tattoos. Für mich sind das aber nur quer durcheinander laufende, spitze Linien.

Der Lautsprecher reißt mich aus meinen Gedanken.
„Noch fünf Minuten bis zur Ankunft. Macht euch bereit.“